berlin – der rudi

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rudi; 72; rentner und selbständige reinigungskraft;
schudomastraße; 10.2.2021;
“ich bin ein gebürtiger badener, kein württemberger, da leg ich wert drauf! seit 45 jahren leb ich in rixdorf, ein halbes leben sozusagen. die veränderungen im kiez hab ich natürlich alle mitbekommen. früher gab’s hier in der straße viele kleine läden: einen bäcker, einen fleischer, einen laden da konnte man kleider kaufen. in den 80igern als die supermärkte aufkamen, sind die alle verschwunden. ich muss schon ehrlich sagen, dass ich mich früher hier wohler gefühlt habe. der verkehr hat auch stark zugenommen, und obwohl hier alles 30er ist, nehmen die leute hier alles als rennstraße, die rauschen da voll durch! ich bin selbst autofahrer, fahr leidenschaftlich autobahn nach heidelberg, aber das geht so gar nicht. ja, der kiez war früher schöner, und auch viel billiger was die mieten angeht.
mit der situation rund um corona kommen wir eigentlich ziemlich gut klar. meine frau und ich gehen dreimal die woche einkaufen, mit maske, ist doch klar. aus dem partyalter sind wir auch schon raus. wir gehen natürlich gern ins lokal essen, aber dann holt man sich das essen eben nach hause. schwierig ist es für uns mit den 12 enkeln und 8 urenkeln, die können uns nicht besuchen kommen, aber ab und zu treffen wir uns draußen am spielplatz. am wichtigsten ist uns eigentlich, dass fußball gespielt wird! so gibt’s ein bißchen abwechlung im fernsehen. meine frau ist hertha mitglied, ich vfb. am wochenende spielen die berliner in stuttgart, da gibt’s dann schon mal reibereien und wir reden uns den ganzen tag nur per sie an.”