2021 Gerd Berlin Corona Richardplatz Rixdorf Portrait

berlin – der gerd

gerd; 80; rentner; richardplatz; 2.3.2021;
“1993 bin ich von lüneburg nach berlin, und seit 2001 wohne ich in rixdorf. das war damals noch etwas schläfrig und lebte so vor sich hin. jetzt wohnen hier viele junge familien und studenten.
die ecke hier war auch mal sehr verrufen, da lag anscheinend drogenbesteck am kinderspielplatz rum und so weiter. ich hab aber davon nichts mitbekommen und nie probleme gehabt.
ich finde das ja gut, dass nordneukölln einen schlechten ruf hat, da bleiben vielleicht die mieten etwas niedriger im vergleich. aber wie man sieht hat das kaum noch einen einfluss und wohnen wird immer teurer.
durch die pandemie hat sich für mich nicht viel verändert, ich war vorher auch schon viel zu hause. meine frau ist lehrerin, für die ist es natürlich viel schwieriger. die muss fast alles online machen, das ist viel zeitaufwendiger und online zu kommunizieren ist anstrengender als man denkt. meine 2 jüngsten töchter sind noch im schulalter und jetzt natürlich auch im homeschooling. plötzlich waren wir alle immer zu hause. das war anfangs schon toll, aber mit der zeit kann es natürlich auch etwas nervig werden, wenn nicht alle an einem strang ziehen.
meine älteste tochter aus vorheriger ehe hatte corona. ihr freund hatte sich bei einer chorprobe im berliner dom angesteckt. wochenlang konnte sie nichts mehr schmecken. jetzt ist gott sei dank wieder alles in ordnung. ich habe mit meinen 80 jahren zum glück bereits einen impftermin bekommen, daher kann ich schon etwas positiver in die zukunft blicken.
ich hoffe, dass corona zumindest ein weckruf an alle ist. schiebt nichts auf das wichtig ist, macht es gleich so lange ihr noch könnt. ich meine da vor allem die klimakatastrophe, die ist ja eine art schleichende pandemie, die nicht mal schnell mit einer impfung weggehen wird.”

pieces of berlin