olaf; 53; rentner; 29.4.2026; horst caspar steig;
„ich bin ein ur-berliner und seit kurzem erwerbsminderungsrentner. ende letzten jahres hat eine blutvergiftung mein leben komplett verändert. ich lag im koma und beide beine mussten amputiert werden. jetzt lerne ich mit prothesen wieder laufen und bin gerade auf dem weg zur physiotherapie.
berlin ist und bleibt meine heimat. für mich ist es die größte und beste stadt deutschlands. die berliner gelten zwar als ruppig, aber ich finde, sie haben einen weichen kern und einen ganz eigenen humor. ich selbst habe auch einen ziemlich speziellen humor – fremde müssen sich manchmal erst daran gewöhnen.
besonders beeindruckt hat mich, wie viel unterstützung ich seit meiner erkrankung erfahre. gerade menschen mit migrationsgeschichte helfen mir oft ganz selbstverständlich – freundlich, aufmerksam und ohne zu zögern. das hat mich ehrlich überrascht und zeigt mir eine seite berlins, die viel zu selten gesehen wird.
ich bin hier aufgewachsen und habe die zeit vor dem mauerfall erlebt. meine frau kommt aus ost-berlin, trotzdem sind wir mit denselben werten groß geworden: ehrlichkeit, pünktlichkeit, zuverlässigkeit und respekt. gerade letzteres vermisse ich heute manchmal bei der jüngeren generation.
natürlich läuft in berlin nicht alles gut, und politisch wird aus meiner sicht oft das falsche entschieden. trotzdem wünsche ich mir vor allem eines: frieden. als kind habe ich vieles nicht bewusst wahrgenommen, aber heute sieht man die welt mit anderen augen. berlin ist meine heimat – und trotz allem möchte ich nirgendwo anders leben.“




