berlin – die kordelia

kordelia; 79; rentnerin; schudomastraße; 20.1.2021;
“ich lebe schon immer in neukölln und seit 30 jahren in rixdorf. ich vermisse die kultur: theater, oper,… und natürlich meine freunde. ich lebe alleine, da ist das nicht so einfach. ich versuch meinen tag gut zu strukturieren. jeden tag spiele ich eine stunde klavier. heute ist mittwoch, da wird zum beispiel im kiez beim puppentheater gekocht – heut gibt’s königsbergerklopse, die muss ich mir dann gleich holen. das ist fixer bestandteil meiner routine.
ich habe angst, dass gute freunde von mir an dem virus sterben. wir sind nicht mehr die jüngsten, da kann es schnell gehen. an atemnot zu sterben, die vorstellung ist schrecklich.
die politik ist hilflos, alles ist neu und sie versuchen es ja. also ganz ehrlich, ich möchte nicht in deren haut stecken. die frage ist natürlich auch wie das die wirtschaft überleben soll, da wird es ordentlich krachen.
ich persönlich hoffe mal, dass der mietendeckel hält. da bin ich auch persönlich davon betroffen. im november habe ich eine mieterhöhung bekommen, die in kraft treten soll, falls der deckel fällt. ich bin gleich zum mieterschutz, der hat mir empfohlen die erhöhung nicht zu unterschreiben!”

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