berlin – der hartmut

hartmut; 65; tischler; böhmische straße; 22.2.2021;
“ich bin vor 10 jahren wegen der liebe nach berlin. vorher war ich 30 jahre in irland, ein gesamtes leben hab ich schon dort sozusagen verbracht. berlin ist jetzt wie ein nachtisch.
mit corona komm ich im täglichen leben bestens klar, unangetastet – nur in meinen pausen ist es anders, die pflege ich normalerweise in cafés abzuhalten und dabei lese ich immer ein buch. das heißt ich komm nicht mehr richtig zum lesen und bin kulturell jetzt sehr durstig. aber etwas mehr im ernst, ich hab mit meiner tochter in irland telefoniert, die haben einen richtigen lockdown und der ist nicht lustig.
ideologisch gesehen ist das alles aber eine katastrophe. ich gucke kein fernsehen, aber zu viel internet, und lese keine zeitung mehr. wenn ich zeitung lese, fang ich an mit den wiederholungen der worte daran zu glauben was da so ist, wie es dargestellt ist, und ich seh das einfach nicht. das es die krankheit gibt seh ich sehr wohl, aber die art wie damit umgegangen wird ist nicht stimmig. die gute nachricht ist jedoch, es gab schon viel schlimmere zeiten die auch ideologisch verbrämt waren, aber mit noch schlimmeren konsequenzen. von dem her ist das alles machbar. danach wird alles wieder schnell zur normalität zurückkehren. die leute wollen stabilität und sicherheit, auch wenn sie alle wissen, dass die zahlen gefälscht sind, und danach unterhaltung!”

pieces of berlin