miguel; 51; erwerbsminderungsrentner; 16.4.2026; etkar andré straße;
“ursprünglich komme ich aus der dominikanischen republik, aber aufgewachsen bin ich in berlin. berlin ist meine heimat – mit graffiti, hip-hop und allem, was dazugehört. früher habe ich viel mist gebaut, war auf kriminellen wegen unterwegs und hatte irgendwann eine seltene nervenkrankheit. ein guter freund hat mich damals von der parkbank aufgesammelt. durch ihn bin ich zum kampfsport gekommen. das hat mir geholfen, nicht wieder auf die schiefe bahn zu geraten. heute kümmere ich mich um den haushalt, schraube an fahrrädern, restauriere meine alte vespa und bin mit meinem fahrradclub unterwegs. vor allem aber geben mir meine frau und meine kleine tochter halt.
früher habe ich in reinickendorf gelebt, heute wohne ich in hellersdorf. nicht unbedingt freiwillig – die mieten in west-berlin waren irgendwann nicht mehr bezahlbar. seit 2014 lebe ich hier und sehe, wie die mieten selbst in sozialen brennpunkten immer weiter steigen. dabei sind wir hier nicht in grunewald. ich finde das unmenschlich.
ich wünsche mir für berlin günstigere mieten, mehr zwischenmenschlichkeit und dass die menschen unabhängig von ihrer herkunft besser miteinander auskommen. mein vater hat immer gesagt: fünf finger sind auch nicht gleich groß, und so sind die menschen eben auch. fuck neonazis, mensch ist mensch.
hellersdorf empfinde ich als schwierig. es gibt viele drogenprobleme, viel aggressivität und man muss aufpassen, mit wem man sich abgibt. gleichzeitig kenne ich hier meine leute. man grüßt sich, kennt sich und baut sich sein eigenes umfeld auf.
was mich außerdem stört, ist die kinderfeindlichkeit, die ich hier oft erlebe. meine tochter ist fünf jahre alt, aber manche beschweren sich schon über normalen kinderlärm. dabei gehören kinder doch zum leben dazu.”




