klaus; 83; rentner; 29.5.2026; lietzenseepark;
„ich lebe seit 1985 in berlin. damals bin ich als chefarzt und ärztlicher direktor ans gertraudenkrankenhaus gekommen. heute wohne ich seit fast vierzig jahren am lietzensee in charlottenburg und gehe jeden morgen und abend mit meinem hund durch den park.
berlin ist für mich eine wunderschöne stadt. sie bietet unglaublich viel kultur, wenn man sie nutzen möchte. ich schätze die vielen parks und bäume mitten in der großstadt und fühle mich hier bis heute wohl. man kann hier am baum angelehnt mitten im grünen was essen – was will man mehr? natürlich hänge ich auch noch an heidelberg, weil ich dort meine schönsten studienjahre verbracht habe, aber berlin sehe ich insgesamt sehr positiv. man darf bei einer millionenstadt nicht erwarten, dass alles perfekt ist – man muss tolerant sein.
was mich an berlin wirklich stört, ist der schmutz. überall liegen zigarettenkippen und papier herum, manchmal hebe ich die kippen sogar selbst auf. außerdem ärgert es mich, wenn historische mauern oder frisch gestrichene flächen sofort wieder mit graffiti beschmiert werden. für mich hat das nichts mit kunst zu tun, sondern mit mangelndem respekt vor der stadt. ich bin halt auch ein konservativer, was soll ich sagen.
mein leben spielt sich heute vor allem zwischen meiner familie und meinem kiez ab. meine frau ist dement und wird von einer 24-stunden-pflegekraft betreut. meine drei kinder leben ebenfalls in berlin, dazu kommen fünf enkelkinder. trotz aller veränderungen fühle ich mich hier zu hause.“




