birgit; 68; rentnerin; richardplatz; 15.6.2021;
“ich bin eigentlich rentnerin, aber weil die rente nicht reicht, arbeite ich noch zwei tage die woche in der verwaltung. geboren bin ich in quedlinburg, aufgewachsen an der holländischen grenze bei münster. nach berlin bin ich 1970 gekommen – aus langeweile in der kleinstadt. berlin war damals angesagt, spannend, ein versprechen.
ich habe in vielen bezirken gelebt: lichterfelde, charlottenburg, kreuzberg. irgendwann wurde mir kreuzberg zu eng, zu viel sehen und gesehenwerden. seit rund 30 jahren lebe ich in rixdorf. das mochte ich immer, weil es dörflich ist: man kennt sich, man grüßt sich. für eine großstadt ist das angenehm.
aber rixdorf verändert sich. für mich eher zum negativen. es wird ein zweiter prenzlauer berg. die kneipen sind teuer, das publikum hat geld. früher war es gemischter, ehrlicher – alte leute, junge leute, berliner. heute muss man die fast suchen.
mit corona komme ich ganz gut zurecht. mein lebenspartner ist schwer krank, deshalb hat sich mein alltag kaum verändert. was mich stört, ist der weg zur arbeit mit der u-bahn. wer kein geld hat, muss fahren – das empfinde ich als belastend.
wenn alles vorbei ist, möchte ich ans meer. am liebsten auf eine insel. einfach laufen, luft, ruhe. das fehlt mir dann doch.”




