kaja; 31; übersetzerin; böhmische straße; 19.2.2025;
“ich komm aus oslo und seit sieben jahren lebe ich eigentlich in berlin. aber das war immer so ein hin und her. zwischendurch mal wieder in spanien, aber am ende zieht mich die stadt immer wieder zurück. um meine rechnungen und die miete zu bezahlen übersetze ich, aber im moment ist mein job eine ai zu trainieren, die mich irgendwann ersetzen wird. dystopisch ist das ganze, aber ich kann’s nicht ändern.
ich habe eine klassische liebe-hass-beziehung zu berlin. einerseits mag ich, wie groß sie ist, wie sie sich ständig verändert, wie nie etwas fertig ist. immer neue leute, neue kunst, neue impulse. und das multikulturelle – dass menschen aus allen ecken hier leben können, weil berlin lange günstiger war als die meisten europäischen metropolen.
aber gleichzeitig gibt es dinge, die mich unglaublich belasten. straßenbelästigung zum beispiel – schlimmer als in jeder anderen stadt, in der ich je war. catcalls, hinterherlaufen, kommentare, sogar angriffe. an manchen tagen fühlt sich berlin an wie ein ort, an dem frauen einfach viel mehr aushalten müssen.
was mir für die zukunft fehlt, ist kollektivität. weniger einzelkämpfen, mehr miteinander. ich glaube an die arbeiterbewegung, an organisation, an druck von unten: generalstreiks, die wirklich wehtun – die einzige sprache, die politik und konzerne verstehen, wenn sie es selbst an der geldtasche spüren.
ob ich berlin ewig aushalte, weiß ich nicht. aber solange ich hier bin, hoffe ich, dass diese stadt nicht vergisst, wie viel kraft in gemeinschaft stecken kann.”




