astrid; 61; rentnerin; schöneberg, berlin, 2026

berlin – die astrid

pieces of berlin

astrid; 61; rentnerin; gleditschstraße; 10.1.2026;
“ich bin in schöneberg geboren und ich wohne seit 40 jahren im selben haus. das ist mein berlin.
meinen beruf habe ich geliebt. sofort nach der schule angefangen, in der grundschule. aber nach einem arbeitsunfall geht es nicht mehr. polyneuropathie, sechs herz-ops, lip- und lymphödeme. ohne rollator geht es nicht, weil meine beine plötzlich taub werden können und dann falle ich hin. die leute denken dann, man ist betrunken oder hat was genommen. das ist schwer zu verarbeiten, aber es geht eben nicht anders. ich muss das beste draus machen.

was ich an berlin schätze? dass es multikulti ist, offen, dass jeder mehr oder weniger rumlaufen kann, wie er will. aber was mir wirklich fehlt: früher kannte hier jeder jeden. jetzt grüßt keiner, keiner kennt einen. alles anonym, alle schnell tür zu. das ist über die jahrzehnte verloren gegangen.
ich wünsche mir eine gerechtere stadt – und dass die leute endlich mal zuhören. auch auf die, die nicht in der politik sind. die rentner, die alten. die werden zu wenig gehört. was nützt es, wenn alle auf dem balkon stehen und für pflegekräfte klatschen? davon haben die nichts.

mein größter wunsch: dass man auf leute zugeht. jemanden ansprechen, der langsam läuft oder alleine herum steht. ein, zwei nette worte – vielleicht war derjenige den ganzen tag alleine. das reicht ja schon und macht große freude.”