karen; 78; rentnerIn; treptow, berlin, 2021

berlin – die karen

pieces of berlin

karen; 78; rentnerin; mörikestraße; 22.11.2021;
“ich bin eine gebürtige berliner. geboren 1943 im neuköllner krankenhaus und nach dem krieg in baumschulenweg aufgewachsen. und hier bin ich auch heute noch.

ich habe als schriftsetzerin gearbeitet, später als wirtschaftskaufmann in der ddr – so hieß das damals bei uns – und zuletzt im vertrieb bei der veb deutsche schallplatten. heute bin ich rentnerin und ich lebe gern in berlin. ich würde aber genauso gerne in eine kleinstadt ziehen, wenn ich das entsprechende schon fertige umfeld hätte, also freundschaften etc. kultur gibt es natürlich viel hier, aber ich nutze das kaum noch. mit hund ist vieles kompliziert.

seit der wende hat sich berlin für mich eher verschlechtert. mich stören müll, mangelnde ordnung und fehlende verantwortung. früher wurde mehr kontrolliert. das multikulturelle mag ich eigentlich – die vielen sprachen, die jungen leute, das internationale. aber sauberkeit und rücksicht fehlen mir.

durch die pandemie bin ich gut gekommen. ich bin vollständig geimpft, ohne zu zögern. das ist meine ddr-prägung. gesund bleiben ist pflicht. ich habe kein verständnis für impfverweigerung und halte eine impfpflicht für richtig. in berlin wurde zu viel diskutiert und zu wenig entschieden. solidarität heißt für mich, rücksicht zu nehmen – und genau das vermisse ich oft.”