christiane; 80; rentnerIn; tempelhof, berlin, 2025

berlin – die christiane

pieces of berlin

christiane; 80; rentnerin; tempelhofer damm; 20.2.2025;
“ich wurde 1945 in berlin-buch geboren, und hab hauptsächlich in tempelhof und kreuzberg gelebt. berlin war immer mein ort, auch wenn ich zwischendurch weggegangen bin. von 2002 bis 2023 habe ich in niedersachsen gelebt, hatte dort mit meinem mann gebaut. würde ich nie wieder machen. in so einer hinterwelt, das ist nichts für mich. berlin war trotzdem aber auch immer da – ich bin jahrelang zur arbeit gependelt. heute wäre das unmöglich. streiks, chaos, eine menschheit, die mir manchmal dümmer vorkommt als je zuvor.

im moment habe ich schwierigkeiten mit dieser stadt. nicht mit berlin an sich, sondern mit der gesellschaft. zu viel schmutz, zu wenig haltung. die leute reden nicht mehr miteinander, schauen weg, machen die drei affen. solidarität fehlt. besonders im westen. die ostdeutschen, das sage ich ganz klar, haben da oft mehr bodenhaftung.

trotzdem bleibe ich. weil berlin mich geprägt hat. weil verantwortung kein wort ist, sondern eine handlung. ich spende, ich spare energie, ich fliege nicht, ich handle. berlin ist nicht bequem. bequem war noch nie der grund, hier zu bleiben.

komisch, nicht? wir tun uns schwer mit demokratie. ich glaube, wir können demokratie nicht richtig definieren. sie sehen ja, herrn trump und elon musk – unmöglich! mich interessiert doch nicht, wie viel vermögen die haben! wichtig ist doch der charakter des menschen, und wie er sich in die gesellschaft einfügt. und nichts anderes.”