anke; 61; journalistin und coachin; 4.8.2026; leipziger straße;
“geboren bin ich in niedersachsen, aber ich lebe seit fast 40 jahren in berlin. damals bin ich fürs studium und für die große, weite welt hergekommen. mittlerweile wohne ich aus privaten gründen überwiegend in bayreuth und pendle noch nach berlin.
berlin hat sich für mich vor allem in den letzten zehn jahren sehr verändert. die stadt ist mir zu anstrengend, zu hart, zu aggressiv, zu dreckig, zu verwahrlost geworden. natürlich kommt es darauf an, wo man ist – es gibt gegenden, in denen es noch ganz gut funktioniert. aber insgesamt habe ich das gefühl, dass die stadt schon seit vielen jahren überfordert ist.
wenn ich in berlin bin, wohne ich in weißensee. dort sehe ich, wie kleine, alteingesessene läden verschwinden, weil sie sich die mieten nicht mehr leisten können, während immer mehr barbershops usw. aufmachen. es ist sehr auffällig und davon auszugehen, dass das auch mit clan-kriminalität zu tun hat und dadurch finanziert wird. gleichzeitig glaube ich, dass berlin weniger einwanderung braucht. obwohl ich eine alte linke bin, muss ich sagen, dass das wirklich ein problem ist. und natürlich kannst du keine obdachlosigkeit verbieten, das ist schon klar. aber durch das freizügige reisen ist mittlerweile viel in berlin unterwegs, was die stadt komplett überfordert. und dafür wurden keine lösungen gefunden.
gleichzeitig macht mir die stärke der afd große sorgen, da wird mir kotzeübel. es ist kaum zu glauben, wie viele nazis wieder unterwegs sind. ein guter freund von mir, der homosexuell ist und in berlin lebt, hat seit geraumer zeit und natürlich auch nach dem anschlag auf den csd große angst. ich finde, die etablierten parteien schaffen es nicht, mit guter politik konstruktiv dagegenzuhalten.
ich wünsche mir mehr mut, probleme offen anzusprechen, ohne sich von social media oder der angst vor einem shitstorm treiben zu lassen. politik muss wieder verantwortung übernehmen und gemeinschaft schaffen. denn wenn wir die probleme nicht benennen und lösen, geht am ende auch die liberalität verloren – und das wäre für mich das schlimmste.”




