bernward; 73; rentner; 20.2.2026; weitlingstraße;
“ich bin gebürtiger berliner aus dem prenzlauer berg. heute lebe ich draußen bei bernau, direkt am wandlitzsee. nach jahrzehnten an der schönhauser allee wollte ich irgendwann raus aus der hektik. jetzt gehe ich aus dem haus und stehe direkt im wald – trotzdem bin ich schnell wieder in berlin. berlin bleibt meine heimat.
der prenzlauer berg war früher ein wahnsinnig interessanter bezirk, wahrscheinlich der alternativste ort der ddr. dort gab es früh demos, straßentheater, widerstand. heute ist daraus fast ein prominentenbezirk geworden. ich selbst habe in der ddr bei der caritas als sozialpädagoge gearbeitet und hatte dadurch eine gewisse sonderstellung. ich war unabhängig und durfte auch öfter nach west-berlin. wer damals nicht „rot“ war, hatte es beruflich schwerer. trotzdem muss man ehrlich sagen: sozial war manches besser organisiert – kindergärten, gesundheitssystem, pflege. heute geht es überall nur noch ums geld.
für berlin wünsche ich mir, dass integration besser funktioniert. ich habe kein problem mit ausländern, aber das system kommt an grenzen. es reicht nicht, menschen einfach unterzubringen und sich dann nicht weiter zu kümmern. gleichzeitig verstehe ich, warum viele mit der politik unzufrieden sind. die afd ist mir natürlich ein dorn im auge, aber wenn so viele menschen sie wählen, kann man nicht einfach so tun, als gäbe es diese stimmen nicht. man muss die ernst nehmen.
trotz allem bin ich froh, berliner zu sein. wir haben viel kultur, viel grün und ein wunderschönes umland. über politik und bahn kann man schimpfen, aber schlecht ist die stadt nicht. ganz bestimmt nicht.”




