jörg; 63; künstler; gleditschstraße; 10.1.2026;
“das erste mal war ich 1981 hier, west-berlin. ich bin dem versprechen gefolgt, dass hier irgendwie alles anders sein sollte. das war die hochphase der hausbesetzungen, ganz andere leute. ein hin und her bis ich 2006 richtig hergezogen bin. berlin habe ich mir damals erlaufen. ich bin jede u-bahn-endstation abgefahren und zurück in die stadt gegangen. erst so merkt man, wie unterschiedlich alles ist, wie sichtbar die brüche noch sind, die kriegsnarben, die geschichten. das ist nie verschwunden. man muss nur hinschauen.
später ging’s zehn jahre nach brandenburg. unser damals einjähriges kind hat die wahrnehmung auf den ganzen trash und schrott hier geschärft und wir hatten die sehnsucht nach ruhe. das waren auch genau wieder die gründe nach 10 jahren zurück nach berlin zu kehren, in den selben kiez.
heute passt berlin wieder für mich. ich bin genau da wo ich sein will. nicht, weil ich das genau benennen könnte, aber vielleicht ist es genau diese vielfalt. man muss ja nur ein stück in irgendeine richtung gehen. und schon ist man da, wo man merkt, dass ganz andere leute unterwegs sind, dass anders gedacht wird, dass anders gesprochen wird, dass dinge anders aussehen.”




