From the monthly archives: December 2011

karl marx allee, haus der statistik

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der ahmet; 26; spätiverkäufer und musiker;
mit 6 jahren verließen seine familie und er ihr kleines
kurdisches dörfchen und emigrierten nach deutschland.
nach 2 jahren in einem pankower asylantenheim konnten
sie eine wohnung in f’hain beziehen und später in neukölln.
dort hatte ja auch ein bekannter den späti schon in betrieb.
das ganze wird zum familien-ding und mit frischen
19 jahren übernimmt der ahmet den laden, ak44!
wies zum Namen kam? da gibt’s mehrere theorien,
die 2 naheliegendsten wären:
ak für ahmet’s kiosk und 44 von der ehemaligen postleitzahl
hergeleitet, oder eine nahe ideologische verwandtschaft
zur berühmten ak47.
der laden ist rund um die uhr geöffnet, der kiosk des vertrauens
im kiez. die schichten teilt er sich mit freunden und seinen eltern.
das klientel sind fast ausnahmslos stammkunden,
die der ahmet alle beim namen kennt, und die geschichten
zu jeder person sowieso. die kunden jedoch haben sich auch
hier in den letzten jahren verändert. “früher hatten wir bänke
vorm laden, das war der soziale treffpunkt der assis.
die sind in der früh gekommen, pilsator gab’s für eine mark,
(kostet jetzt auch noch immer nur 50 cent) und am abend,
alle total besoffen, wurde immer wild gestritten. jeden tag
das gleiche. das waren die ersten, die verschwanden.
ein paar sind in talkshows immer wieder aufgetaucht
und ein paar ausnahmen gibt’s noch, die weiterhin dem
treibstoff pilsator wegen kommen, aber sich dann in den
s-bahnhof gegenüber verdrücken.”
die mieten steigen, es wird saniert, die “assis” weichen
den studenten, jungen künstlern usw und für die wiederum
wird es jetzt auch schon wieder hart, und die ersten, die
vor 5 jahren gekommen sind, müssen weg. “früher war berlin
ein mekka für jeden, was richtig günstiges zum wohnen
findest du nur noch zum beispiel in hellersdorf,
aber da will ja keiner hin!”
aber zurück zum spätialltag. der ahmet beschreibt seinen
laden gern als “auf die fresse kiosk”.
“wer keinen humor hat, braucht erst gar nicht kommen!”
zu seiner erfrischenden “ich-sage-immer, was-ich-denke-direktheit”
verschreckt er liebend gern schüchterne touris.
überzeugter spätimann ist er und glücklich obendrein,
aber auch neben seinem streben als heavy-metal-schlagzeuger
würde er am liebsten eigentlich formel 1 fahrer sein.
“schaun wir, was passiert, alles hat sich so entwickelt.
scheiß auf ziele!”

>>> kiosk ak44, saalestraße 39a

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die letzte station des späti specials > ak44 und der ahmet

späti, special, berlin, s-bahnhof sonnenallee

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hüseyin; 45; spätiverkäufer;
1993 kam der hüseyin nach berlin. “berlin ist multikulti!
so ist das! andere städte gefallen mir nicht!”
nach 13 jahren auf der baustelle ging’s gesundheitlich
einfach nicht mehr und so kam’s zu seinem “rigaer
getränke” späti. seit der eröffnung vor 5 jahren
hält er hier täglich die stellung, oft bis zu 17
stunden täglich, 7 tage die woche! …das waren dann
bis jetzt um den daumen geschätzt 37.376 stunden!
den letzten urlaub gab’s 2008 und seine 3 “teufelskinder”
würde er natürlich auch lieber öfter sehen.
der hüseyin ist sozusagen eine absolute kiezkonstante
für seine stammkunden…von denen er aber immer mehr verliert.
“viele können sich die mieten nicht mehr leisten und ziehen
an den stadtrand. das ist alles sehr traurig. alle netten
läden, die junge leute aufgezogen haben, sind weg.
es ist kein platz mehr für alternatives! zum glück gibt’s
noch die wagenburg gegenüber!”
seit dem die supermärkte ringsrum auch länger offen haben,
geht das geschäft schlechter. “große fische schlucken kleine,
das ist halt der kapitalismus…”
trotz allem ist er gern der späti und für seine stammkunden
vor ort und stelle, seine prognose ist aber eher düster,
sodass sich die negativen entwicklungen wie der
gentrifizierung seiner ecke wohl nicht aufhalten lassen…

>>> rigaer getränke, rigaerstraße 104

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späti, special, berlin, rigaerstraße

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ebru; 20; spätiverkäuferin;
seit 5 jahren verwöhnen die “südländischen spezialitäten”
rund um die uhr den kiez am frankfurter tor.
der ebru und ihrem bruder gehört der laden und die
ganze familie hilft mit. aufgewachsen ist sie in
kreuzberg und dann ging’s nach f’hain wo sich nun
ihr soziales leben abspielt. glücklich ist die ebru
mit dem, was sie tut. “man lernt ständig neue nette
leute kennen, und man weiß immer bestens bescheid,
was im kiez passiert!”, sagt sie mit einem zwinkern.
langeweile kommt auch nie auf, manche kunden kommen
einfach zum quatschen, freunde auf besuch und ist
mal weniger los, gibt’s immer was zum aufräumen und
halt facebook.
schlechte erfahrungen im späti-alltag?
ganz selten, das schlimmste, was ihr passiert ist:
sie hatte eine frau beim klauen ertappt und dabei
“scheiß türkin” geerntet! aus der ruhe hat sie das
nicht gebracht und erzählt das alles sehr abgebrüht.
berühmt berüchtigt ist der späti auf jeden fall für
sein pasten/brotaufstrich-sortiment, das von der
familie selbst zubereitet wird.
der absolute verkaufsrenner: aubergine!

>>> südländische spezialitäten am tor, petersburger straße 97

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berlin, späti, special, frankfurter tor

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dogan; 43; spätiverkäufer;
1980 wanderte der gebürtige türke nach deutschland aus.
hier angekommen verdingte er sich als fußbodenleger.
so richtig glücklich wurde er damit aber nicht und am
bau zahlen die leute nicht, sagt er. eine weile hat’s gedauert,
aber seit fast 4 jahren ist er der stolze späti international!
sieben tage die woche im laden, seine frau hält morgens die
stellung und der dogan dann bis spät nachts… “ein traumjob
ist das auch nicht unbedingt, aber wenn’s nicht langweilig ist,
weil grad niemand da ist, tut sich immer was hier,
und das ist schön so!” ihm ist’s wichtig seinen freunden
(apropos das deutsche “der kunde ist könig” spielt’s nicht
beim dogan! alle, die kommen, sind freunde!) was zu bieten,
ein sozialer treffpunkt zu sein. so kommen leute um der musik
zu lauschen, die er auflegt (meist ausgefallene äthiopische
hingaben, oder seine favourites pink floyd und vieles mehr)
oder man bringt selbst seinen usb stick mit, am sonntag
um tatort zu kucken, ausstellungen zu organisieren,
zu heißen sommertagen gab’s mal eine von ihm installierte dusche
vor dem laden, doch die musste aufgrund berlins liebster
spaßverderber, dem ordnungsamt wieder weichen.
live musik gab’s auch mal, aber leider nur einmal und endete
mit einer saftigen geldstrafe …das nervt ihn schon sehr hier…
während wir quatschen kommt der wenzel in den laden:
“…das ist hier alles sehr familiär, man lernt die ganze
familie kennen, wenn man mal kein geld hat, muss man auch nicht
bezahlen, oder man kann sich einen fernseher ausleihen,
da fällt mir ein, ich hab noch deinen föhn, dogan”
man hilft sich gegenseitig. hat der dogan mal ein computerproblem,
sowas ist rasch gelöst. manchmal knallt’s auch richtig, sagt er,
und der wenzel bestätigt das mit einem verschmitzten lächeln.
“ab und zu hat man frust und den muss man dann einfach rauslassen,
aber am nächsten tag sind alle wieder freunde!”
wie’s zum namen kam? freunde hatten den vorgeschlagen:
“international – hier leben ja menschen aus aller welt!”

>>> späti international, weserstraße 190

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endlich ist es soweit – das späti special!
im sommer habt ihr mir eine fülle an spätis eures vertrauens
vorgeschlagen. dabei wurden vier besonders oft empfohlen,
und denen habe ich einen besuch abgestattet!
vom erweiterten wohnzimmer, niemals zu keiner uhrzeit
versiegenden bierquellen über soziale treffpunkte,
konstanten und seelsorger: der späti

den anfang macht der späti international, weserstraße 190

berlin, späti, special, neukölln

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das special ist allen spätiverkäuferInnen gewidmet!

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walter; 68; rentner und “aktenzeichen xy … ungelöst” komparse;
der ur-britzer walter lebt seit 60 jahren hier im kiez.
aber es hat schon mal mehr spaß gemacht in dieser gegend,
meint er. die geschäftsläden gehen rapide nieder,
die ärzte werden weniger und ein dramatisches soziales gefälle
ist in den letzten jahren entstanden.
dazu schmerzt es dem walter gehörig, dass alles so anonym und kalt
geworden ist. früher kannte man sich noch im haus,
jetzt macht jeder seinen kram und man ignoriert sich gegenseitig.

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